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Unsere Kirchen

Niederrad - Goldstein - Schwanheim

Die Schöpfungsgemeinde verbindet evangelisches Gemeindeleben in drei Frankfurter Stadtteilen: Niederrad, Goldstein und Schwanheim. Ihre vier Kirchen und Gemeindezentren spiegeln unterschiedliche Epochen evangelischer Kirchengeschichte wider – von den Nachwehen der Reformationszeit über das 18. und 19. Jahrhundert bis hin zum Kirchenbau der Nachkriegszeit und modernen Gemeindezentren. 

Kleine Kirche (Paul-Gerhardt-Kirche) Niederrad

Niederrad wird erstmals im Jahr 1151 urkundlich erwähnt. Kirchlich gehörte der Ort lange zur Pfarrei Schwanheim. Erst die Reformation veränderte die kirchlichen Verhältnisse grundlegend. Ab 1569 bestimmten zwei Herren über Niederrad: der katholische Deutsche Orden und die lutherische Stadt Frankfurt. Diese konfessionelle Doppelherrschaft hatte weitreichende Folgen für das religiöse Leben vor Ort.

Evangelische Christinnen und Christen in Niederrad durften lange Zeit keine eigenen Gottesdienste feiern. Sie waren der Frankfurter Gutleutkirche zugeordnet und mussten zum Gottesdienst über den Main übersetzen – ein beschwerlicher Weg, der die Sehnsucht nach einem eigenen evangelischen Gotteshaus verstärkte.

Im Jahr 1608 wurde schließlich eine erste kleine evangelische Kirche errichtet, ein Fachwerkbau. Ihre Nutzung war jedoch stark eingeschränkt: Gottesdienste waren nicht erlaubt, lediglich Sonntagsschule und Kinderlehre durften dort stattfinden. Auch mit dem Bau der heutigen Kleinen Kirche im Jahr 1726 änderte sich daran zunächst wenig. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden regelmäßige Gottesdienste gestattet. 1812 kamen eine Schule und eine Pfarrwohnung in der Kelsterbacher Straße hinzu.

Die Kleine Kirche ist eine barocke Saalkirche mit dreiseitig geschlossenem Chor, der nach Süden ausgerichtet ist. Der Zugang erfolgt direkt von der Straße durch ein Portal in der nördlichen Giebelwand. Über dem Altar hängt ein historisches Kruzifix. Die verputzten Außenwände werden durch jeweils zwei Rundbogenfenster gegliedert, deren Glasgestaltung vom Künstlerehepaar Gisela Dreher-Richels und Gerhard Dreher stammt. Das steile Schieferdach wird auf der Nordseite von einem Dachreiter mit Glockenstuhl bekrönt.

Anlässlich des 200-jährigen Bestehens erhielt die Kirche im Jahr 1926 ihren heutigen Namen: Paul-Gerhardt-Kirche, benannt nach dem bedeutenden evangelischen Lieddichter Paul Gerhardt (1607–1676). Auch die Gemeinde übernahm diesen Namen. In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen schuf Lina von Schauroth neue Glasfenster für die Kirche.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kleine Kirche schwer beschädigt. Der Wiederaufbau erfolgte in den Jahren 1951/52. Die heutige Orgel mit 13 Registern und zwei Manualen wurde 1971 von Günter Ismayr eingebaut. Dank der großen Spendenbereitschaft der Gemeindeglieder konnte 2005 eine umfassende Innenrenovierung und 2007 eine Außenrenovierung durchgeführt werden. Die Kleine Kirche steht heute als Kulturdenkmal unter dem Schutz des Hessischen Denkmalschutzgesetzes.

Paul-Gerhardt-Gemeindezentrum Gerauer Straße

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wuchs die Zahl der evangelischen Christinnen und Christen in Niederrad stark an. Die bestehenden Räumlichkeiten reichten für das lebendige Gemeindeleben nicht mehr aus. 1929 wurde daher der Grundstein für ein neues Gemeindehaus in der Gerauer Straße gelegt, das bereits 1930 fertiggestellt wurde.

Das Gebäude entstand nach Plänen des Architekten Gustav Schaupp (1891–1977), eines Schülers von Ernst May, der in Frankfurt das Reformprojekt „Neues Frankfurt“ prägte. Entsprechend ist das Gemeindehaus im Stil der Neuen Sachlichkeit gestaltet und von Anfang an multifunktional gedacht. Der Kirchsaal war flexibel nutzbar: Gegenüber dem Altarraum befand sich unter der Sängerempore eine Theaterbühne, der Altar konnte auf Schienen verschoben und die Bestuhlung gedreht werden. So war der Raum sowohl für Gottesdienste an hohen Feiertagen als auch für Theateraufführungen, Versammlungen und Gemeindeveranstaltungen geeignet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Gemeinde durch Flüchtlinge und Vertriebene stark an. Neue Siedlungen entstanden, unter anderem in der Miersch-Siedlung, in der Jugenheimer Straße sowie in der Heinrich-Seliger- und Gerauer Straße. Mit über 13.000 Gemeindegliedern wurde die Paul-Gerhardt-Gemeinde 1965 geteilt: Der südliche Teil behielt den Namen Paul-Gerhardt-Gemeinde, der nördliche Teil wurde zur Zachäusgemeinde.

Ab den 1970er Jahren nahm die Zahl der evangelischen Gemeindeglieder jedoch kontinuierlich ab. Sinkende Kirchensteuereinnahmen machten neue Strukturen erforderlich. 1999 fusionierten beide Gemeinden wieder zur Evangelischen Paul-Gerhardt-Gemeinde.

Ab 2012 wurde das Gebäude in der Gerauer Straße umfassend umgebaut und zu einem modernen, barrierefreien Gemeindezentrum mit großem Kirchsaal weiterentwickelt. Die feierliche Einweihung fand am 14. September 2014 statt.

Dankeskirche

Das Gebiet des ehemaligen Hofguts Goldstein wurde in den 1930er Jahren zu einer Siedlung für rund 4.000 Menschen entwickelt. Kirchlich gehörte Goldstein zunächst zur Martinusgemeinde in Schwanheim, bevor 1947 eine eigenständige evangelische Kirchengemeinde gegründet wurde.

Der Bau der Dankeskirche erfolgte nach Plänen von Oberbaurat Ernst Görke von der Kirchenbauverwaltung. Die Kirche wurde am 19. September 1954 eingeweiht und bildet seither das geistliche Zentrum des Stadtteils. Sie liegt nördlich des Goldsteinparks in unmittelbarer Nähe weiterer öffentlicher Einrichtungen wie dem Bürgerhaus.

In ihrer Architektur greift die Dankeskirche bewusst Maßstab und Gestalt der umgebenden Siedlungshäuser auf: ein Satteldach, helle Putzfassaden und eine zurückhaltende Formensprache. Deutlich hervor tritt der Glockenturm aus graugrünem Naturstein, der die besondere Funktion des Gebäudes sichtbar macht. Die Hauptfassade zum Kirchhof wird durch zwei Rundfenster und fünf quadratische Fenster gegliedert; die den Eingang betonenden Laibungen bestehen ebenfalls aus Naturstein.

Im Inneren richten sich zwei Bankblöcke mit Mittelgang auf den hellen Altarraum mit großem Kreuz aus. Die Kirche verfügt über drei Glocken, die 1954 von der Glockengießerei Rincker gegossen wurden.

Eine umfassende Renovierung erfolgte im ersten Quartal 2013. Der Innen- und Deckenanstrich wurde erneuert, der hintere Kirchraum neu gestaltet und das Taufbecken versetzt. Zudem wurde eine Seilwinde installiert, mit der der Adventskranz elektrisch herab- und heraufgefahren werden kann.

Im Zuge der Neuordnung kirchlicher Strukturen zog die Gemeinde 2014 aus dem bisherigen Gemeindehaus in ein neu errichtetes Gemeindezentrum um, das gemeinsam mit einer Kindertagesstätte und weiteren Gemeinderäumen rund um den Kirchhof angeordnet ist. Nach 46 Jahren wurde das alte Gebäude ebenso aufgegeben wie das Pfarrhaus Am Goldsteinpark 1a, eines der ältesten Häuser des Stadtteils. Das neue Zentrum wurde im Juli 2014 mit einer zehntägigen Festwoche eingeweiht. 2019 wurde die Orgel der Dankeskirche aufwendig gereinigt und saniert.

Martinuskirche

Noch um 1880 lebten in Schwanheim lediglich rund 90 evangelische Christinnen und Christen. Sie gehörten kirchlich zu Griesheim und mussten zum Gottesdienst mit dem Boot über den Main fahren. Der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus führte 1885 zum Bau einer Kapelle, die am 26. Juli desselben Jahres eingeweiht wurde. Sie bot Platz für etwa 100 Personen und enthielt im Obergeschoss eine Lehrerwohnung. 1888 entstand daraus die eigenständige Martinusgemeinde als Filialgemeinde von Griesheim.

Mit dem raschen Wachstum der Gemeinde – 1910 zählte sie bereits 1.185 Mitglieder – wurde ein größerer Kirchenbau notwendig. Mit Unterstützung des Gustav-Adolf-Vereins und der Familie Carl von Weinberg begann im Oktober 1910 der Bau der heutigen Martinuskirche. Die Grundsteinlegung erfolgte am 4. Dezember 1910, die Einweihung am 19. November 1911.

Der Architekt Otto Bäppler entwarf die Kirche im Stil des Historismus. Die frühere Kapelle wurde zunächst als Kindergarten genutzt. Ein Explosionsunglück im Griesheimer Chemiewerk im Jahr 1917 sowie Bombenangriffe 1943 zerstörten die Kirchenfenster. Nach dem Wiederaufbau wurden Kirche und Glocken am 6. Juni 1954 erneut eingeweiht. Weitere Baumaßnahmen folgten mit dem Neubau eines Kindergartens 1960, dem Abriss der alten Kapelle 1963 sowie dem Bau des Gemeindehauses 1966. Renovierungen der Kirche fanden 1976 und 2004 statt. Auch die Martinuskirche steht unter Denkmalschutz.

Das Gebäudeensemble besteht aus dem rechteckigen Kirchenschiff, dem nordwestlich angefügten Glockenturm und dem westlich anschließenden Pfarrhaus. Der Turm auf quadratischem Grundriss trägt ein vergoldetes Kreuz. Kurz nach Fertigstellung der Kirche wurde vor dem Gebäude eine Eiche gepflanzt, die 2017 ihr hundertjähriges Bestehen feierte.

Die hell verputzten Außenwände sind durch Rundbogenfenster und Strebepfeiler gegliedert. Das reich gestaltete Südportal besteht aus drei Rundbögen mit Würfelkapitellen und wird von zwei Rundbauten flankiert. In der südlichen Giebelwand befindet sich ein Relief, das Jesus zeigt, der die Müden und Beladenen tröstet.

Der Chorraum im Norden ist als Apsis gestaltet. Fünf Buntglasfenster, 1949 nach Entwürfen von Lina von Schauroth gefertigt, zeigen die vier Evangelisten mit ihren Symbolen, die auf den auferstandenen Christus in der Mitte blicken.

Die Orgel auf der rückwärtigen Empore wurde 1990 von Karl Schuke gebaut und verfügt über 21 Register mit mechanischer Spiel- und Registertraktur. Die Empore ruht auf Säulen mit kunstvoll gestalteten Kapitellen. Im Kirchenschiff beeindruckt zudem der blau-goldene Sternenhimmel, der bei der Renovierung 2004 wieder in seinem ursprünglichen Zustand von 1911 freigelegt wurde.

Kanzel, Altar, Taufstein aus Ravenna sowie zahlreiche Stuckarbeiten – darunter zehn musizierende Engel – stammen von Schwanheimer Kunsthandwerkern. Zwischen Kirche und Pfarrhaus liegt der 2020 neu gestaltete, barrierefreie Kirchplatz, der heute auch für Gottesdienste genutzt wird.